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Endlich naht der Frühling, alle freuen sich auf wärmere Temperaturen, auf ein sattes Grün, frische Luft ...
... nur in Flaesheim ist das ein wenig anders: wie jedes Jahr - in der schönsten Jahreszeit überhaupt - wird die Freude auf den Frühling in einem Teil des Ortes jedes Jahr aufs neue getrübt: ein Holzkohlenmeiler, wenige hundert Meter südlich von Flaesheim in der Haardt errichtet, wird zur Attraktion für Groß und Klein. Hier kann man live erleben, wie die Köhler in den letzten Jahrhunderten ihre Arbeit verrichteten.
Aber was des einen Freud, ist des anderen Leid: ist der Meiler in Gang gesetzt, kommt in den Abend- und Nachtstunden bei entsprechender Witterungslage übelster Rauch und Gestank über weite Teile von Flaesheim. Rauch, der nicht nur abartig stinkt und durch alle Ritzen in die Häuser dringt, sondern auch hochgradig gesundheitsschädigend ist.
Während man in die Innenstadt von Recklinghausen oder anderer größerer Städte nur noch mit einer speziellen Plakette befahren darf aus Immissionsschutzgründen, werden durch den Flaesheimer Holzkohlenmeiler ein Vielfaches an Immissionen freigesetzt. Umweltschutz wird in Flaesheim ausser Kraft gesetzt.
Der diesjährige bisherige Höhepunkt an Immissions-Belästigungen der Bürger von Flaesheim war nun der Abend und die Nacht vom 7. auf den 8. Mai 2009: schon als man gegen 20 Uhr von der Hauptstraße (Flaesheimer Straße) in die Straße Zum Dachsberg eingebogen war, sah man bläulich-graue Rauchschwaden durch die Häuserzeilen kriechen - es stank dazu unerträglich nach Müllkippe, Rauch und Teer. Und das hielt die ganze Nacht an.
Wenn jemand in seinem privaten Garten ein Feuerchen angezündet hätte und es hätte auch nur ein tausendstel der Rauch- und Geruchsbelästigung gegeben, wären sofort Polizei, Feuerwehr oder Ordnungsamt zur Stelle gewesen, um den Umweltsünder - mit Recht - zu bestrafen. Doch an diesem Abend zog der giftige und stinkende Qualm ohne Konsequenzen weiter in die Häuser - und mit ihm gesundheitsschädliche Stoffe. Man muss nicht extra hervorheben, dass die im Neubaugebiet in großer Zahl lebenden Kinder davon besonders betroffen werden (siehe dazu auch den Leserbrief unten).
Es ist ausserordentlich bedauerlich, dass die von den Flaesheimer Anwohnern und Betroffenden gemachten Hinweise und Beschwerden von offizieller Seite anscheinend überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden. Stattdessen soll - zum Jubiläum (!) - am 10. Mai 2009 noch ein weiterer Meiler angezündet werden, was unweigerlich zur Folge hat, dass die Schadstoffbelastungen der Luft und die gesundheitlichen Belastungen der Anlieger wie Übelkeit, Kopf- und Atemwegsschmerzen usw.verdoppelt werden. Das kann doch nicht ernsthaft gewollt oder in Kauf genommen werden.
Im Vorfeld der Meiler-Aktivitäten 2009 hatten wir uns am Dienstag, 28. April 2009, an die Presse mit einem Leserbrief gewand - es war einer von vielen, die in den letzten Jahren immer wieder verfasst und in den örtlichen Zeitungen abgedruckt wurden. Da unser Leserbrief aus redaktionellen Gründen am Samstag, 2. Mai 2009, in den Ruhr-Nachrichten nur auszugsweise wiedergegeben werden konnte, wofür wir volles Verständnis haben, wird dieser hier noch einmal vollständig gebracht:
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>>> Leserbrief
“Es stinkt zum Himmel ... in Flaesheim Schadstoffe sollen nun „krebsheilend“ sein?
Die Ankündigung der 'Eröffnung des Meilers in der Haard' haben wir -erneut- mit großer Besorgnis zur Kenntnis nehmen müssen - wieder sollen also zwei bis drei Wochen übelster Gestank und penetranter Müllkippengeruch die Anwohner von Flaesheim in der schönsten Zeit des Jahres belästigen und zudem noch gesundheitlich gefährden?
Und zu allem Überfluss soll nun, nachdem in der Vergangenheit schon nur ein Meiler für unzumutbare Gestanksbelästigungen in den Abend- und Nachstunden gesorgt hat, ein weiterer Meiler hinzukommen und dadurch sowohl für eine Verdoppelung der Immissionswerte als auch eine Verlängerung der Gestankszeit sorgen?
Die Veranstalter und Organisatoren des 'Meiler-Events', die ja allesamt nicht in Flaesheim wohnen und von diesen unzumutbaren Verhältnissen in keinster Weise tangiert werden, sollten sich nur ein einziges Mal und auch nur für fünf Minuten abends auf die Terassen der betroffenen Häuser setzen. Der Rauchgestank ist dermaßen penetrant und kriecht in das ganze Haus, sogar in den Keller. Alles stinkt nach Rauch. Ein Öffnen der Fenster und ein Lüften ist unmöglich - und das geht dann die ganze Nacht so weiter mit dem Gestank.
Zudem sind diese Immissionen von Rauch, Gasen und Gestank, die ein Meiler verursacht, hoch gesundheitsschädlich. Während man nach Recklinghausen oder sonstwo nur noch mit einer Plakette in die Innenstadt fahren darf wegen der Kohlenmonoxid-Belastung, kommen aus dem Meiler ungehindert neben dem eigentlichen Rauch auch CO, NO2 und Benzol.
Benzol bzw. seine Dämpfe zum Beispiel sind sehr giftig und nachgewiesenermaßen krebserregend! Es wird in der Leber über Phenol zu Chinonen O=C6H4=O oxidiert, welche als starke Elektrophile mit DNA, RNA und Proteinen reagieren und u.A. durch Störung der Reifung der Knochenmarkszellen myelitische Leukämie auslösen. Dass da der betreibende Köhler in seinem Interview vom 21.4. behauptet, in einer Köhlertagung im Mai 2009 werde eine Studie veröffentlicht, bei der herauskäme, dass die austretenden Immissionen sogar „krebsheilend“ wären, dürfte wohl das Ergebnis nach Entnahme einiger Flaschen aus besagtem Bierkasten sein ...
Ganz das Gegenteil ist der Fall: Sobald der Meiler in Gang gesetzt wird, kommt es neben einer äußerst starken Rauch- und Geruchsentwicklung zu gesundheitlichen Beschwerden bei den Anwohnern. Die Bewohnbarkeit der Häuser bzw. die Benutzbarkeit der Gärten ist wesentlich beeinträchtigt. Es treten Krankheitssymptome wie Übelkeit, Brechreiz, Atemwegsstörungen, Kopfschmerzen und Augenreizungen sowie Schlafstörungen auf.
Dabei heisst es im entsprechendem Gesetzestext über das Errichten und Betreiben von Kohlenmeiler: „Diese (Genehmigung) darf nur erteilt werden, wenn das Vorhaben den Belangen der Sicherheit, der Landeskultur, des Naturschutzes und der Erholung nicht zuwiderläuft und Belästigungen möglichst ausgeschlossen sind.“
Es ist schon mehr als ungehörig seitens offizieller Stellen, wenn nach einer Reihe von Hinweisen und Beschwerden betroffener Anwohner diese weder auf deren Begehren noch auf deren Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher Schäden ernst genommen werden und stattdessen jetzt auch noch eine zusätzliche Stinkquelle - zum „Jubiläum“ - dazukommt. Andere Gemeinden sind da anscheinend fortschrittlicher und haben nach Einschaltung eines externen Gutachters beschlossen, keinen Meiler mehr zu errichten, da die „Verhältnisse darauf schliessen lassen, dass selbst bei eingeschränktem Betrieb Immissionen nicht ganz auszuschliessen sind“.
Wie schreibt Redakteur Guth in seinem Bericht in dieser Zeitung so treffend: „Je tiefer es in den Wald hinein geht, desto stärker mischt sich Qualmgeruch in die klare Luft“. Und abends, wenn thermische Verhältnisse nicht nur Qualm, sondern auch gesundheitsschädigende Gase in Richtung Flaesheim ziehen lassen, ist es vorbei mit der „klaren Luft“ in den Häusern. So nahe an einem Wohngebiet einen Hohlzkohlenmeiler zu errichten ist unverantwortlich - und ein Witz in Hinsicht auf das heutige moderne Bemühen von Umweltschutz, Klimawandel oder um Sonderschutz-Zonen für Autos in den Innenstädten!
Deshalb fordern wir die sofortige Einstellung des 1. Meilers sowie das Anzünden des 2. Meilers. Wir betonen, dass wir grundsätzlich nichts gegen einen Holzkohlenmeiler haben und vor allem die Kinder so die interessante Arbeit der Köhlerei bestens nachempfinden können, wenn dabei aber gesundheitliche Schäden - auch für Kinder - auftreten und dabei ein halbes Dorf betroffen ist, muss diesem Treiben Einhalt geboten werden und ein neuer Köhlerei-Standort für diese Attraktion gesucht werden.
Rainer und Doris Bode, Flaesheim
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